WERNER HOFBAUER
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Musiker, Komponist
Presse Interview
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Presse Interview

Interview mit
Werner Hofbauer
in der Fachzeitschrift Manual
(Auszug)


„…Ich strebe keine Kopie irgendeines anderen Organisten an!“



Herr Hofbauer, Sie waren ursprünglich Orchestermusiker, sind dann zu den elektronischen Tasteninstrumenten übergewechselt. Wo lag bzw. liegt hier für Sie im Vergleich zu einem großen symphonischen Orchester der Reiz?

„Der Reiz liegt darin, dass man als einzelne Person ein ganzes Orchester zur Verfügung hat. Das Zusammenspiel mehrerer Musiker kann sehr schwierig sein, speziell wenn solche mit unterschiedlichen musikalischen Vorstellungen zusammen treffen. Jeder hat eine eigene Interpretationsauffassung, jeder versteht ein Musikstück anders. Daher wird bei einer Solo-Performance der Sound, die Gesamtinterpretation homogener als eine Interpretation, die sich aus der Kombination verschiedener Einzelindividuen ergibt. Und ich glaube, das schlägt sich auch in meiner Musik nieder.“


Arbeiten sie im klassischen Bereich mit Originalpartituren?

„Soweit es sich diese verwenden lassen – ja.“


Da sie ja „aus der Klassik kommen“, drängt sich uns die Frage auf, wieweit Ihnen die elektronische Orgel auf dem derzeitigen Stand zur Interpretation klassischer Werke geeignet erscheint?

„Man muss hier unterscheiden, ob man Musik live bringen oder auf einem Tonträger aufzeichnen will. Im letzteren Fall hat man mit Hilfe von Samplern sicherlich mehr Möglichkeiten. Da kann man dann auch Feinheiten wie Pizzicato, Tremolo usw. sehr genau erzielen. Nur – arbeitet man dann bei einer Live-Performance mit solchen Mitteln, kann der unerwünschte Effekt eintreten, dass das Auditorium den Eindruck bekommt, es wer betrogen, die „Maschine“ spielt von selbst. Dieser bereits vorhandene Glaube des nicht informierten Publikums sollte nicht unbedingt geschürt werden und noch mehr Bestätigung finden. Die Geräte haben vom Grund her einen dermaßen hohen Standard, das der Verdacht, der Musiker arbeite bloß mit einer bereits erstellten Software, sehr groß ist. Ich bin diesbezüglich auch schon sehr oft angesprochen worden. Ob das ideal ist? Ich glaube nicht!“


Bei der elektronischen Musik gibt es zwei Ebenen, die miteinander harmonieren müssen, die musikalische und die technische. Fühlen Sie sich als Musiker oder als Techniker?

„Ich glaube, bei diesen Instrumenten kommt es fast zu einer „50:50 Lösung“. Ohne das Verständnis der Technik kann man dieses Instrument sicher nicht spielen.“


Ist ihr technischer Aufwand groß?

„Das hängt davon ab, was ich spiele.“


Sie arbeiten bei ihren Auftritten viel mit fix programmierten Sequenzen. Wie viel Raum bleibt da noch für Spontaneität und Kreativität? Oder sind Sie durch technische Vorgaben in ein relativ enges Korsett gezwungen?

„Ich arbeite mit Disketten, die nur Registrierungen enthalten, nicht mit Playbacks. Ich möchte eben nicht derjenige sein, von dem man sagt, dass er sowieso alles nur Playback spielt. Meine Konzerte sollen wirklich Live-Charakter haben. Daher schrecke ich auch etwas vor dem Gebrauch von Sequenzern zurück, obwohl deren Möglichkeiten im professionellen Bereich gigantisch sind. In der Praxis sieht das so aus. Das Musikstück wird von mir erst einmal von Anfang bis Ende durcharrangiert, dann nehme ich einzelne Passagen heraus und überlege mir, welchen Klangkörper ich dazu verwenden könnte. Diese Registrierung kann man nicht ad hoc bei einer Live Performance bringen. Ja und wichtig, bei mir bleiben die Klangfarben gleich. Meine Stimmung ist ausschlaggebend für die Art und Weise der Interpretation. Da kann man sicher mehr machen als mit dem bloßen Austausch von Klangfarben, wie es vielleicht andere Organisten machen. Wenn ich etwa einen durchprogrammierten Begleitrhythmus verwende, bin ich natürlich an diese Sequenzen gebunden. Keine Frage. Wenn ich ein Stück in mein Repertoire aufnehme und in gewisser Form arrangiere, dann ist da jede einzelne Facette durchdacht und auch so gemeint. Ich sehe nicht ein, warum ich bei einer Live-Performance auf Grund einer Stimmung des Publikums oder meinerseits etwas ändern müsste.“


Nach welchen Kriterien suchen Sie Ihre Musikstücke aus?

„Nach den Kriterien des Klassikers. Dass heißt, dass ich eine Präferenz zur Klassik habe. Aber man sollte Musik so betreiben, wie es auch der Zuhörer will. Ich habe nichts davon, wenn ich irgendwelche „hoch stehende“ Stücke spiele, oder Musik, die nur einen geringen Zuhörerkreis anspricht, wenn ich mit der E-Orgel konzertant auftreten möchte. Gerade dann, wenn ich die Popularität dieses Instrument steigern will.“


Sie sehen die E-Orgel absolut als eigenständiges Instrument an. In Österreich denken jedoch sehr viele Musikpädagogen anders.

„Ich bin auf Grund meiner Hochschulausbildung ebenfalls Musikpädagoge – ich könnte auch jederzeit unterrichten – und darf mir daher auch anmaßen hier ein Urteil abzugeben. Ich finde es engstirnig, dass man dieses Instrument kaum auf Musikschulen aufnimmt. Eines ist einmal klar. Das reine Klavier, ich komme auch vom Klavier, ist auf einem gewissen Level einfach leichter zu erlernen als das Orgelspielen. Denn spielen muss ich auf der Orgel genauso, auf drei Ebene sogar, dazu kommt aber noch die Elektronik, die ich verstehen muss. Die Elektronik dient im Idealfall nicht als Spielhilfe, sondern als Hilfsmittel für den Interpreten, Man sollte sich von der Technik auf keinen Fall unterkriegen lassen. Ich meine, dass es bei weitem schwieriger ist, aus solchen Instrumenten einen wirklich schönen Klangkörper herauszuholen, als auf dem Klavier. Ein Klavier liefert einen relativ fixen Klang, wenn man von Klangunterschieden durch Anschlagdynamik etc. Absieht. Ich habe oft darüber mit Pianisten gesprochen, habe sie auch auf meinem Instrument spielen lassen, da sie meinten, das könne doch gar nicht so schwierig sein. Man hat dann gehört, was dabei rausgekommen ist: „Mulatschak“.


Das, was bisher von Ihnen zu hören war, vermittelt den Eindruck, dass Sie die E-Orgel eher als Medium zur Verwicklung orchestraler Klangvorstellungen verstehen. Den typischen „Orgel-Sound“ haben wir bis dato von Ihnen überhaupt noch nicht gehört.

„Das ist richtig. Dahinter steckt einganz einfacher Grund. Dadurch, dass ich Orchestermusiker war, ist für mich nach wie vor das Ohr auf den Orchesterklang geschult, nicht auf den typischen Orgelklang, den Sinus-Sound. Daher hört man von mir sehr, sehr wenig bis gar keinen Orgelsound. Ich bin kein Vertreter des „Hammond-Sound“, das überlasse ich anderen. Wäre es bei der Entwicklung der E-Orgel beim Sinus-Klang geblieben, so hätte ich dieses Instrument nie so weiterverfolgt. Die Bezeichnung „Orgel“ ist ja heute sowieso in den meisten Fällen eine absolute Fehlbezeichnung. Die Yamaha HX-Serie wird ja offiziell seit langer Zeit auch nicht mehr als „Orgel“ bezeichnet, sondern als „Modularsystem“.“